Montag, 23. November 2015

Elektroautos fahren nicht emissionsfrei

In Diskussionen rund um Elektroautos wird ja oft positiv hervorgehoben, daß E-Autos emissionsfrei fahren, Verbrenner aber nicht. Als Gegenargument kommt da oft, daß der Strom aber nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern daß dieser auch mit Emissionen hergestellt werden muß. Ein E-Auto wäre also nicht besser als ein Verbrenner, weil beide Fahrzeugtypen Emissionen verursachen.
Das stimmt teilweise, ist aber einfach nicht zu Ende gedacht!

E-Autos fahren lokal emissionsfrei, aber die Herstellung des Stroms verursacht meistens Emissionen. ABER Benzin- und Diesel-Treibstoffe müssen ja auch hergestellt werden und das eben auch nicht emissionsfrei - niemals!

Der Strommix in Deutschland (Stand 2014) besteht zu 25,8% aus erneuerbaren Energien (Tendenz steigend), zu 25,6% aus Braunkohle, zu 18% aus Steinkohle, zu 15,9% aus Kernenergie, zu 9,6% aus Gas und zu 5,1% aus sonstigen Quellen.
Keine Frage: Strom aus Kohle ist dreckig und Kernenergie ist gefährlich! 

Es gibt aber Stromanbieter, die Strom aus 100% erneuerbaren Energien anbieten und viele E-Auto-Besitzer haben eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach und produzieren damit ihren eigenen, sauberen Strom. In den Fällen ist die Herstellung des Stromes emissionsfrei!

Die Verbrenner produzieren doppelt Emissionen: Bei der Förderung/Herstellung des Treibstoffes und beim Fahren.
Schon die Erdölförderung ist eine richtig dreckige Sache, die ab und zu auch mal schief geht: Siehe die Katastrophe "Deepwater Horizon". 
Und auch bei der Erdölgewinnung an Land werden ganz ohne "offizielle Katastrophe" riesige Landstriche verseucht, zum Beispiel in Aserbaidschan oder der seit 1960 andauernden Ölpest in Westsibirien, wo jährlich 125.000 Tonnen Öl in die Natur gelangen. Das ist eine eher "normale" Begleiterscheinung, die in Kauf genommen wird...
Hinzu kommen gelegentliche Unfälle beim Transport durch Öltanker oder per Pipeline!

Hier eine Liste aller bedeutenden Ölunfälle.


Wurde das Rohöl erst mal gefördert und an seinen Bestimmungsort gebracht, wird es in einer Ölraffinerie zu Benzin/Diesel weiterverarbeitet. Auch dieser Vorgang erzeugt eine Menge Emissionen und verläuft nicht immer ohne Probleme (siehe HIER und HIER)!
Hinzu kommt, daß allein die amerikanischen Raffinerien im Jahr 2005 fast 49 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht haben (Quelle)! Verbraucht ein E-Auto 18 kW/h auf 100 km und fährt 15.000 km pro Jahr, so hätte man von dem Raffinerien-Strom über 18,1 Millionen E-Auto betreiben können!

Hier ein interessantes Video zum Thema Stromverbrauch von Raffinerien:



Ist der Treibstoff fertig, muß er mit LKWs zu den Tankstellen gebracht werden - das geschieht auch wieder nur mit Emissionen und auch die Tanklaster sind nicht vor Unfällen sicher, wie das Beispiel Herborn zeigt.


Also zusammenfassend:
Die Herstellung von Strom verursacht natürlich Emissionen, wenn man keinen 100%igen Ökostrom bezieht oder den Strom mit Solarzellen selbst produziert. Aber das E-Auto fährt zumindest lokal emissionsfrei!
Benziner/Diesel fahren nicht emissionsfrei und den Treibstoff kann man nicht ökologisch und schon mal gar selbst herstellen. Von der Erdölgewinnung bis zur Verbrennung im Motor werden Emissionen verursacht - ausnahmslos!


Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose - richtig! Aber Benzin kommt auch nicht einfach aus der Zapfsäule ;) 

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